Krankenhaussimulation

10 OP-Säle. Aber funktionieren auch die Prozesse dahinter?

Für eine neu geplante OP-Etage mit 10 OP-Sälen sollte geprüft werden, ob die vorgesehenen Strukturen und Prozesse die gewünschte Leistung tatsächlich ermöglichen.

Krankenhaus Simulationsmodell

Die Räume waren geplant. Die Abläufe noch nicht bewiesen.

Die neue OP-Etage sollte zehn OP-Säle umfassen. Zuvor standen sieben Säle zur Verfügung. 

Zum Zeitpunkt des Projekts waren wesentliche bauliche Entscheidungen bereits getroffen. Die zentrale Frage war deshalb nicht mehr, wie die OP-Etage grundsätzlich aussehen sollte, sondern ob die geplanten Strukturen im späteren Betrieb ausreichend leistungsfähig sind.

Dabei ging es nicht nur um die OP-Säle selbst. Auch Einschleusung, Umbettung, Aufwachraum, Bettenbereitstellung, Personal, Wege, Stellflächen und Versorgungsprozesse mussten gemeinsam betrachtet werden.

Wie viele Operationen sind unter realistischen Bedingungen tatsächlich möglich?

Ein OP-Saal arbeitet nicht isoliert. Jeder Eingriff ist Teil einer Prozesskette.

Patienten müssen eingeschleust, vorbereitet, umgebettet, transportiert und nach der Operation weiter betreut werden. Gleichzeitig müssen OP-Betten und Patientenbetten bereitstehen, Flächen verfügbar sein und Personal zur richtigen Zeit am richtigen Ort eingesetzt werden können.

Untersucht wurde deshalb unter anderem, ob die Einschleusung ausreichend dimensioniert ist, wie sich der OP-Plan auf den Tagesablauf auswirkt, welche Kapazitäten der Aufwachraum benötigt und wo leere Betten vorgehalten werden müssen.

Nicht einzelne Räume, sondern den gesamten Ablauf modellieren.

Zunächst wurde der geplante Betriebszustand im Modell abgebildet. Anschließend wurden die einzelnen Prozessschritte miteinander verknüpft und unter realistischen Bedingungen betrachtet.

Dabei wurden nicht nur OP-Zeiten berücksichtigt, sondern auch Vor- und Nachbereitung, Transportwege, Wechselwirkungen zwischen den Bereichen und zeitliche Spitzen.

Ein gemeinsames Bild für alle Beteiligten.

Ein zusätzlicher Effekt entstand bereits während der Modellierung: Die Simulation brachte alle Beteiligten aus unterschiedlichen Bereichen an einen Tisch - unter anderem Pflegekräfte, weiteres OP-Personal, Ärzte, Planer und Architekten.

Am dreidimensionalen Modell konnten die geplanten Abläufe gemeinsam betrachtet werden. Statt einzelne Prozesse nur aus der jeweiligen Fachperspektive zu diskutieren, wurde sichtbar, wie Patienten, Personal, Räume, Betten und Material im späteren Betrieb zusammenspielen sollen.

Das laufende Modell schuf damit eine gemeinsame Diskussionsgrundlage. Annahmen konnten direkt hinterfragt, Abläufe abgestimmt und Auswirkungen von Änderungen für alle Beteiligten sichtbar gemacht werden.

Im weiteren Projektverlauf kamen zusätzliche Fragestellungen hinzu, unter anderem zur Versorgung der OP-Säle mit Instrumenten sowie zur Entsorgung.

Entscheidende Erkenntnis

Der Engpass lag vor dem OP.

Wenn alle zehn OP-Säle um 9 Uhr mit dem ersten Schnitt beginnen sollten, musste der erste Patient im untersuchten Szenario gegen 5:30 Uhr eingeschleust werden.

Der begrenzende Prozess war die gemeinsame Einschleusung. Im Modell konnte gezeigt werden, dass eine vorhandene septische Einschleusung zu bestimmten Zeiten zusätzlich für den Standardbetrieb genutzt werden konnte. Dadurch ließ sich die Kapazität in der kritischen Phase am Morgen erweitern. 

Eine zweite Erkenntnis

Nicht nur Patienten brauchen Platz. Auch ihre Betten.

Mit zehn OP-Sälen können sich zeitweise bis zu 20 Patienten gleichzeitig im reinen Bereich befinden. Zusammen mit dem Aufwachraum steigt die Zahl weiter.

Dabei benötigen nicht nur belegte Betten Platz. Auch leere Patientenbetten, OP-Betten und weitere Bettarten müssen bereitgestellt, zwischengelagert oder gereinigt werden. Der dafür benötigte Platz war in der ursprünglichen Planung deutlich unterschätzt worden.

Im Modell konnten deshalb Positionen und Stellflächen neu bewertet und geeignete Bereiche für die verschiedenen Betten gesucht werden.

Mehr OP-Säle bedeuten nicht automatisch mehr Leistung.

Die tatsächliche Leistung einer OP-Etage entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Prozesse. Einschleusung, Bettenlogistik, Aufwachraum, Personal, Versorgung und Wege können die Gesamtleistung stärker begrenzen als die Anzahl der OP-Säle selbst.

Simulation macht diese Abhängigkeiten sichtbar, bevor sie im realen Betrieb zum Problem werden.

Sie planen eine neue OP-Struktur oder möchten bestehende Abläufe überprüfen?

Dann schauen wir gemeinsam auf die Fragestellung. Dabei muss noch nicht feststehen, ob Simulation tatsächlich der richtige Ansatz ist.

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